Von Allem ein bisschen

Allenthalben sieht man ganz tolle Nannys durch deutsche Wohnzimmer flitzen, dabei unmögliche Kinder und unglaubliche Eltern vorführen. Der Alltag in den Schulen scheint, glaubt man öffentlichen Quellen, aus unmotivierten, dummen SchülerInnen und schlecht ausgebildeten Lehrern zu bestehen, aus Disziplinlosigkeit, mangelhafter Ausstattung, und sonstigen Katastrophen im Bildungsalltag. Reihenfolge beliebig. Ist die Realität tatsächlich so? Ich meine SO?
Überall hören wir von PISA, der unglaublichsten Studie seit es Schule gibt. Seitdem ist die Hölle los an deutschen Schulen, in den Zeitungen, im Fernsehen, in der Schulpolitik. Gute Ratschläge und Schnellschüsse inbegriffen.
Es fängt ja schon in der Grundschule, ach was im Kindergarten, nein besser noch viel früher an. Von Erziehungsmüdigkeit, ja von unerziehbaren Kindern ist die Rede. Was immer das sein soll. Eltern seien überfordert mit ihren Kindern. Kinder mit Allem. Reizüberflutung, man schreit nach dem Elternführerschein. Fragt sich nur, wer sich dazu berufen fühlt, so ein Ding abzunehmen und zu erstellen. Vielleicht ein Lehrer? Die Kirche? Pädagogisch wertvolle Personen? Vielleicht die ganz tolle Nanny?
Der Trend ist gegeben, hin zur guten alten Schule. Mehr Strafen, das nennt man heutzutage Konsequenzen, werden gefordert. Zentralabitur heißt das Beste für die Abiturienten derzeit. Gut durchdacht ist davon so gut wie nichts. Wenn überhaupt etwas.
Bemerkenswert die Macht, die wir den Medien geben. Die Verantwortung die abgegeben wird. Ja, auch nichts Neues. Wer sagt denn, dass ich was Neues schreibe. Ich bin neu hier, ich darf üben und mich auch buchstabenfüllend ergehen. Ich war auch mal ein besonderes Kind, nicht schwer erziehbar, aber halt besonders. Und jetzt habe ich ein weblog.
Wird an einem Abend eine Sendung, schlecht gemacht, über „Hochbegabung“ ausgestrahlt, laufen am nächsten Tag die Telefone heiß bei den zuständigen Psychologen. Jedes auf irgendeine Art auffällige Kind, mit Vorliebe aggressiv und hyperaktiv, wird nun angemeldet von Eltern, die der Meinung sind, ihr Kind sei hochbegabt, es stehe ja schon fest, man habe nun eine Erklärung für die Aggressivität, die Unruhe. Das Kind langweilt sich. Nein, es ist ja jetzt alles schon klar, man möchte nur noch ein paar Tests, um es bestätigt zu haben. So genannte Hyperaktivität, das haben die ja vom Fernsehen auch gesagt, hängt mit Hochbegabung zusammen. Herrje, wo soll das hinführen? Hochbegabung ist derzeit sowieso eine In-Vokabel, die bald ausgeleiert ist. Und viel zu oft falsch verstanden. Mit so einem Kind, das diesen Stempel hat, kann man ja was hermachen als Eltern. Bildungsbürgertum-Eltern brauchen hochbegabte Kinder. Andere auch. Zum Profilieren der eigenen Person. Wenn dat Kevin sich rumkloppt, dann isset hochbegabt, weil sich dat langweiln tut. Wer will schon ein Kind, das einem aufzeigt, dass es vielleicht nicht kindgerecht ist, wenn z.B. der Fernseher läuft, kein eigener Schreibtisch zur Verfügung steht und nirgendwo in Ruhe Hausaufgaben gemacht werden können. Es wäre ja anstrengend, man müsste etwas an seinem eigenen Vorbild-Verhalten ändern. Vielleicht doch der Elternführerschein? Trotzdem lieber nicht.
Über all diese angerissenen Schlagworte kann man Bände füllen. Über das Warum und Woher und Wie davon weg. Aber, ich bin ja neu hier, ich mach das nicht. Ein bisschen klugscheißerln reicht. Trotzdem, SO schlimm finde ich die Situation in Schulen nicht. Man kann auch etwas kaputt reden.
goldfederchen - 3. Mär, 15:10

Wie recht Du doch hast ...

Wenn ich eine Schulklasse bei mir habe, dann fallen mir die Kinder auf, die nicht stillsitzen, die rumtoben, nicht zuhören. Die Kinder, die sich nicht an Regeln halten können und dauernd dazwischen reden. Weil sie mich in meiner Arbeit stören. Ich muss mich zwingen, die Kinder wahrzunehmen, die mir aufmerksam lauschen, die tolle Ideen haben, die fröhlich und freundlich sind. Die Nachmittags wiederkommen mit ihren Eltern und denen erzählen, wieviel Spaß wir am Vormittag gemeinsam hatten.
Wenn eine Schulklasse zu mir kommt, sind das vielleicht 25 Kinder. Die, die mir auffallen, sind meistens so 4 oder 5. Die Menge der "normalen" Kinder geht unter in der Menge derjenigen, die Quatsch machen. Das ist in vielen Bereichen so.

Manchmal denke ich, wir müssen endlich aufhören, alles so schlecht zu machen. Wir müssen aufhören, überall nur das zu sehen, was uns stört und nervt. Wir müssen unseren Blick schärfen für alle jene Dinge, die gut laufen, und denen, die aus der Reihe tanzen, gar nicht so viel Macht über uns geben. Wenn sie keine Aufmerksamkeit mehr bekommen, beruhigen sich viele (ganz sicher nicht alle, das ist klar) von ganz alleine.

Pseuspektive - 3. Mär, 18:43

Es freut mich...

... wenn durchscheint, was ich meinte. Ja, Augen auf für das was an Gutem da ist, an Potential. Es ist doch angenehmer für einen selber und für die Kinder, das Verbindende zu sehen. Das, was Freude macht.
Die, die anders sind, fallen oft in einer Gruppe hintenüber, sie bräuchten andere Aufmerksamkeit. So sie denn nicht "gruppentauglich" sind. Aber, du musst ja auch Prioritäten setzen. Und, wenn's gar nicht geht: Klebeband auf den Mund und Ecke stehen ;-)
chamäleon123 - 3. Mär, 21:57

hyperhyper

Hyperaktiv! Wenn ich das bloss höre, könnte ich hysterisch kreischen und hyperaktiv herumzapppelnd davonrennen! Aber Supernanny fand ich immer ganz toll, weil ich meine pädagogischen Eigenleistungen dann ehrfürchtig aus der Distanz bestaunte, mir anerkennend auf die Schulter klopfte, mich überschwänglich lobte und mit meinem Erziehungskonzept ganz zufrieden war. Na ja, so eine, zwei Stunden lang wenigstens.
Ähm. Ist der See da auf Deinem Bild in Schweden?

Pseuspektive - 3. Mär, 22:22

DAS...

... ist ein geheimer Ort in Pseuspektivia. Für Seelenurlaube und romantische Liebesträumereien, einsame Heilauftankungen und allerlei Herzstreichelzeiten.

Aber, nah dran, nur noch weiter ;-)

Nun, ich habe diese Sendung nicht gut ausgehalten. Jedoch, ich denke schon, dass Kindern, die anders sind, Rechnung getragen werden muss, ihre Eltern u.U. Unterstütung brauchen. Alles, was anders ist, fällt zu oft hintenüber.

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