Samstag, 24. Februar 2007

Froschprinz ungeküsst

Wie uns soeben vom Froschprinzen höchst selbst beschwerend berichtet wurde, ist dieser nicht zum Ziel gekommen. Obwohl er sich unter Gefahr für sein Leben mitten in eine Stadt begab, die vor katholischen Eiferern geradezu wimmelt. Also völlig ungläubig ist. Aus Sicht eines Froschprinzen. Lassen wir ihn selbst zu Quake kommen: „Wir begaben uns Kraft unserer knackigen Beine, natürlich nicht ohne vorher zu überprüfen, ob in dieser Stadt jener grausamen Delikatesse der Schenkelvertildung gefrönt würde, mitten hinein. Mitten in jene Stadt, von der uns Kunde gebracht worden war, dass dort eine Holde wohne. Eine uns würdige Holde. Am Ende unseres langen Weges hockten wir uns in ein Gebüsch und warteten. Zu dämmeriger Stunde, als eine kleine Wilde des Weges daher kam mit einem riesigen Fellwesen, nutzten wir unsere Gunst und sprangen mutig und edel. Ihr in den Weg. Sie zögerte und zog das Fellwesen beiseite. Wir zitterten ein wenig, welches wir aber zu unterdrücken wussten. Was, wenn uns dieses Wesen zu fressen begehrte? Sie wüsste es zu verhindern, wir trauten ihr. So saßen wir da. Edel, schön anzuschauen mit unserer glänzenden Haut. Unseren kleinen braunen Punkten auf dem geraden Rücken. Unsere Schenkel, muskulös, lagen eng am Körper. Unseren kleinen Bauch zogen wir ein wenig ein. Nach einer kurzen Weile kam die Holde des Weges, jene, für die wir den weiten Weg auf uns genommen hatten. Sie musste uns küssen."
Hier wechseln wir die Position und halten das nicht vorhandene Mikrofon der so genannten Holden vor die Nase. Wenig märchenhaft geht es weiter: Die Holde spricht: „So ein dicker Frosch und das hier, vor dem Haus, mitten auf dem Asphalt. Hm, was machen wir denn jetzt?" Innerlich arbeiteten ihre holden grauen Zellen schon. Wo sollte der denn jetzt hin? Hier lassen? Ignorieren? Dem Hund ins Fressen geben? Ging ja nicht, der würde ja durch die Gegend hüpfen. Also der Frosch, nicht der Hund. Jener würde, dank seines Jagdinstinktes, so richtig auf Touren kommen. Die Holde sagte zu ihrer kleinen Wilden: "Halte den Hund kurz und lass den Frosch nicht aus den Augen. Sonst verliert er noch seine Krone." So lief die Holde ins Haus und holte einen Topf, frisch gespült, samt Deckel, einmal umgepült, damit dem Prinz, äh Frosch, nicht seine Haut austrocknete- man erkennt, die Holde hat keine Ahnung von Fröschen- und wollte den Frosch in den Topf hüpfen lassen. Er wollte das aber nicht. Also packte sie ihn sich. Diese Tierchen fühlen sich immer noch so an wie früher, dachte sie, als sie als Kinder kleine Frösche sammelten im Urlaub. Die Ärmsten. Aber, bei der kindlichen Ehre, alle überlebten. Nun saß er da, etwas deppert in dem Pott. Deckel drauf, denn er wollte wieder raus. Nicht eine Sekunde dachte sie daran, ihn zu küssen. Nicht eine. Woran das wohl liegt?!
Ab ins Haus. Froschrettungsaktion in vollem Gang. Ein bisschen Gras aus dem Garten sollte dem Tierchen den Edelstahl heimeliger machen. Nicht, dass er noch auf die Idee käme, dass das die Gemüsebeilage für seine Beinchen sein sollte. Die wollte sie so gar nicht. Igitt. Den Deckel draufgehalten, man weiß ja nie, wozu so ein ausgewachsener Frosch in der Lage ist und er war groß, richtig groß. Der Frosch, nicht der Topf. Noch schnell einen Bekannten angerufen in der Absicht nachzufragen, ob er eine Ahnung habe, wo so ein Prinz gut zu entsorgen sei. Er war aber gerade unterwegs und nicht erreichbar. So ein Pech. Also wurde selber gehandelt. Autoschlüssel geschnappt, von wegen goldene Kutsche, und ab ging es zum Stadtpark. Dort gibt es Wasser und Grün. Sicher ist sie sich ja nicht, ob das richtig war. Oder ob er dort größerer Gefahr ausgesetzt ist bei den Wasservögeln. Nun ja. Es muss schon komisch ausgesehen haben für die vereinzelten Radfahrer, als die Holde und die kleine Wilde dort mit einem Topf aus dem Auto stiegen, Richtung Wiese liefen, im Dämmerlicht die schön ordentlich gepflanzten Stadtgarten-Krokusse umrundeten und schließlich in die Hocke gingen und den Deckel von dem Topf lüfteten. Sie warteten, bis endlich der Frosch sich gemächlich Richtung Rand bewegte. Vielleicht war er doch ein Prinz? Oder gar König? Dann, endlich als es wohl recht war, hüpfte er mit einem Riesensatz Richtung Wasser über die Böschung. Das Gras aus dem Topf gekippt, Deckel drauf und wieder über die Wiese Richtung Auto gestapft. Krokusse umrunden nicht vergessen. Während sie über die Wiese stapften, meinte die kleine Wilde: „Naja, man hätte ihn ja auch küssen können." Die Holde lachte. Kleine Wilde: „Also wenn er Morgen wieder vor der Tür sitzt, dann wird er geküsst."
So war das. Vor ein paar Stunden heute. Die Holde wird ihn nicht küssen. Nein. Sie weiß, wo ihre Grenzen sind. So bleibt der Frosch ein ungeküsster und das Märchen kann weiter vorgelesen werden.

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